Der Haufen lebt

Bei uns sind aktuell viele Dungkäfer aktiv und zersetzen die Äppelhaufen in kürzester Zeit…

Momentan ist auffällig, dass die Pferdehaufen ziemlich schnell ihre Form verlieren, breite Fladen werden und es darin wimmelt wie nur was. Ich konnte natürlich nicht anders, als in den Haufen rumzuwühlen, um zu sehen, was da kreucht und fleucht. Jede Menge Dungkäfer:

Es sind wohl vor allem Gefleckte Dungkäfer und einige Gemeine Dungkäfer, aber leider kenne ich mich mit Dungkäfern überhaupt nicht aus.

Jetzt im Herbst kommt es mancherorts zu massenhaftem Auftreten der Dungkäfer. Sie ernähren sich nicht nur vom Kot, einige Arten legen Tunnel im Boden an, befördern den Kot in den Untergrund, je nach Art unterschiedlich tief, um dort die Eier abzulegen. Auf diese Weise belüften und düngen sie den Boden und zersetzen die Haufen, die sonst ewig auf der Weide liegen bleiben würden. Dungkäfer sind aber vor allem auch wichtig für den Erhalt der Biodiversität, denn sie sind Nahrung für andere Artengruppen wie Vögel oder Fledermäuse.

In Europa gibt es 269 Dungkäferarten und in Deutschland 82 Arten, die sich in zwei Unterfamilien mit 46 Gattungen gliedern. Davon sind ca. 30% ausgestorben und 40% gefährdet. Die koprophagen Blatthornkäfer gehören laut dem NABU sogar „zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Gilden innerhalb der Gesamtfauna„.

Die Ursachen für den Rückgang der Dungkäfer sind zum Einen die Ablösung traditioneller Weidetierhaltung durch intensive Massentierhaltung in Stallanlagen und zum Anderen der massive Einsatz von Entwurmungsmitteln in der Freilandhaltung. Es wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass Wirkstoffe wie Ivermectin die Larvenentwicklung von Dungkäfern beeinträchtigen. Die adulten Käfer reagieren weniger empfindlich auf die Antiparasitika, aber die Eier und Larven sterben ab und der Kothaufen wird auf diese Weise zur ökologischen Falle….

Wir haben diese Woche selbst eine Wurmkur gegeben, weil zumindest Assan einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden hatte. Zwei unserer Einsteller haben selbst noch mal Kotproben genommen und ihre Pferde haben keinen Befall. Alle anderen Pferde haben eine Wurmkur bekommen, obwohl es mir natürlich angesichts der vielen Dungkäfer aktuell wahrhaft in der Seele weh tut…

Eigentlich wollte ich nur noch die „klassische Nikolauswurmkur“ mit Dasselfliege geben und ansonsten nur nach Bedarf, wenn es einen Befall gibt. Ich frage mich auch nach dem Sinn, die Pferde gemeinschaftlich zu entwurmen, eng zu koppeln, alles abzuäppeln, obwohl sie ohnehin schon die ganze Zeit mit Eiern in den Äppelhaufen die Weiden „kontaminiert“ haben? Ich denke, wir werden das nächstes Jahr anders handhaben, nur noch im Winter eine Wurmkur, ansonsten nach Bedarf, einzeln und gezielt nach Befund.

Ansonsten hoffe ich, dass durch das Abäppeln an den Heuraufen und längere Ruhepausen für die Weiden der Parasitendruck abnimmt. Ich bin gespannt…

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