Lesesteinhaufen

Die Eiszeiten, insbesondere die Weichseleiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, haben das Nordostdeutsche Tiefland und ihre Landschaft geprägt.

Neben vielen Einzelformen aus Schmelzwasserrinnen, Binnendünen, Grundmoränenplatten, Kames, vermoorten Senken oder Söllen hat uns die Eiszeit auch viele schöne Steine in allen Größen bis hin zu Findlingen aus Skandinavien mitgebracht. Auf unserer Weide haben wir auch so ein besonderes Schmuckstück:

Unser Ponyhof befindet sich auf der „Glindower Platte“, einer Grundmoränenplatte im Übergangsbereich zur Havelniederung. Aufgrund der guten thermischen Bedingungen wurde hier seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Obst angebaut und wir haben noch einige erhaltene Apfelbaumplantagen, teils in Nutzung, teils aufgelassen in der näheren Umgebung.

Auf den Flächen, die ackerbaulich genutzt werden, kommen mit jeder Bearbeitung mehr oder weniger große Steine hoch, die schon seitjeher von den Bauern von den Feldern abgelesen und an den Rand gelegt werden. Dadurch haben sich die sogenannten Lesesteinhaufen entwickelt. Auch auch auf unseren Weiden kommen mit jedem mulchen oder schleppen Steine zum Vorschein. Und so lag es natürlich nahe, dass ich einen Lesesteinhaufen anlege. 🙂

Zum Einen, um die Steine von der Koppel zu räumen, damit sie nicht bei der Bearbeitung stören und zum Anderen um einen wertvollen Lebensraum zu schaffen. Lesesteinhaufen dienen einer ganzen Reihe von Artengruppen wie Kleinsäugern, Reptilien, Amphibien, Insekten oder Spinnen als Winterquartier, Versteckmöglichkeit, Sonnenplatz oder Eiablagestelle.

Hier mal ein paar Bilder, wie solche Lesesteinhaufen aussehen können. Eine schematische Darstellung nach karch (Koordinierungsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz), ein Lesesteinhaufen, der im Rahmen eines Naturschutz-Projektes in der Uckermark angelegt wurde und ein Haufen, der wahrscheinlich aus Steinen entstanden ist, die vom Acker abgelesen wurden.

Bei unserem Lesesteinhaufen habe ich mich nicht ganz an die Anleitung nach karch gehalten. Das wäre viel zu aufwendig geworden und so viele Steine haben wir nun auch wieder nicht. Aber ich habe auf jeden Fall einen Platz ausgesucht, an dem der Steinhaufen nach Süden ausgerichtet ist und auf der Nordseite ein paar Gebüsche als Wind- und Feindschutz hat. Das ist gleichzeitig eine Stelle auf der Weide, die man aufgrund der Gehölze nicht mähen oder mulchen kann, so dass der Haufen hier nicht stört.

Ich habe ein Loch mit ca. 50cm Tiefe, 50cm Breite und 100cm Länge ausgehoben und zunächst eine Schicht aus kleinen Steinen, die ich vom Reitplatz gesammelt habe angelegt. Empfohlen wird eine Mulde mit 80-100cm Tiefe und eine Lage aus einer 10cm mächtigen Kies-Sand-Schicht als Drainage. Darauf kommen dann die größeren Steine mit möglichst vielen flachen Hohlräumen und zum Schluss der Aushub an die Rück- bzw. Nordseite.

Man kann den Steinhaufen natürlich auch ohne Mulde anlegen, aber dann ist er nicht frostfrei bzw. als Winterquartier geeignet.

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