Umtriebsbeweidung und GPS-Tracking

Die Idee der Verbindung einer – aus meiner Sicht – artgerechten Pferdehaltung mit den Zielen des Naturschutzes ist die Gewährleistung einer ganzjährigen Weidehaltung und dem Einhalten von Ruhezeiten für die Weide. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Pferde genügend Futter finden, ohne die Leistung der Weide zu beeinträchtigen und möglichst noch Blühaspekte für Insekten zu schaffen. Das funktioniert bei unserer Anzahl der Pferde und der zur Verfügung stehenden Fläche nur als Umtriebsbeweidung.

Die Pferde sollten möglichst erst dann auf eine neue Fläche kommen, wenn diese eine gewisse Weidereife hat, also einen Aufwuchs von mindestens 15-20cm, damit sie nicht zu eiweiß- und zuckerhaltig ist. Und man muss immer wieder Flächen vorhalten, die nachwachsen können, ohne dass sie zu überständig werden bzw. die Pflanzen nur noch aus Rohfaser bestehen.

Das Ziel ist also eine zeitlich versetzte Nutzung der unterschiedlichen Weideflächen, um sie sinnvoll als Futtergrundlage zu nutzen, ohne sie zu übernutzen und dabei Artenvielfalt zu fördern. Der „Grünlandpapst“ Ernst Klapp (dessen Buch „Wiesen und Weiden“ nur noch via Ebay oder antiquarisch erhältlich ist) empfiehlt dabei Ruhezeiten je nach Standort von 12-50 Tagen. Letztlich gibt es da wohl nur Erfahrungswerte, die jeder selbst sammeln muss. Und was gibt es schöneres, als immer wieder über die Flächen zu laufen, was man ja wegen der Zaunkontrolle ohnehin tun muss, sich den Aufwuchs anzuschauen und sich zu überlegen, wann man welche Fläche wie nutzen sollte?

Weiterhin empfiehlt Klapp (1971, zitiert in Nitsche & Nitsche: Extensive Grünlandnutzung): „Um eine gleichbleibende Weideleistung zu erreichen, ist regelmäßiger Nutzungswechsel notwendig. Ein häufiger Wechsel der Koppel sowie eine eingeschobene Rinderweide, welche die selektive Unterbeweidung ausgleicht, haben sich ebenso wie eine Mahd als günstig für die Erhaltung einer dauerhaften Grasnarbe erwiesen. Die Weide dient dem Pferd nicht nur als Futterfläche, sondern auch als Bewegungsraum.“

Und an dem letzten Punkt sehe ich die günstige Verbindung zum natürlichen Verhalten der Pferde. Nach Zeitler-Feicht (2015, Handbuch Pferdeverhalten) sind Pferde nicht territorial, sondern leben in großen Streifgebieten. Die Größe des Aktionsradius würde in der Natur vom Vorhandensein von Futter, Wasser, Witterungsschutz und Möglichkeiten für Komfortverhalten wie Wälzen, Scheuern etc. abhängen. Und vor allem liegt es in der Natur der Pferde, dass ein Großteil ihrer Bewegung dem Fressen gewidmet ist. Grasen und dabei langsam laufen nimmt in der Regel über 50% bzw. 10-18 Stunden eines Tages ein. Laut Beobachtungen an New Forest Ponys, Camargue-Pferden und Mustangs, also halbwild lebenden Pferden, bewegen sich die Pferde täglich etwa 6-11km. Zeitler-Feicht vermutet dabei, dass sich Araber und Vollblüter unter gleichen Bedingungen mehr bewegen und dass Pferde beim Vorhandensein von ausreichend Nahrung (z.b. Heuraufe), Wasser und Witterungsschutz in der Nähe nur 2-2,5km bewegen würden.

Bei Assan kann ich das nicht bestätigen. Seine individuelle Tagesstrecke sind ca. 8km, auch wenn es eine Heuraufe und einen Unterstand in der Nähe gibt. Natürlich nur, wenn er die Möglichkeit hat zusätzlich grasen zu gehen. Das folgende Luftbild zeigt drei GPS-Aufzeichnungen in diesem Jahr mit der Tagesstrecke und der zur Verfügung stehenden Weidefläche. Beim GPS-Tracking am 25.07.2021 (gelb) hat leider der Akku nicht ganz 24h durchgehalten. Dennoch sieht man, dass die Fläche erheblich kleiner war als am 14.07.2021 (lila) und Assan sich fast genauso viel bewegt hat. Im September (rot) wurde bereits Heu dazugefüttert und die Heuraufe stand direkt am Unterstand, nur die Tränke war weiter weg.

Es gibt sicherlich sehr viele gute Konzepte zur Haltung von Pferden mit der Anlage von Laufställen, Aktivställen, Trails, Paddock Paradise etc. , um das natürliche Verhalten zu imitieren und Bewegungsanreize auch auf kleinem Raum zu schaffen. Aber ich kann zumindest für Assan sagen, dass er einfach hinreichend Fläche zum grasen braucht, um sich zu bewegen. Einfach die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit der Herde zu grasen, im Schatten zu dösen, sich zu wälzen, zu schubbern und mit seinem besten Kumpel zu spielen – das ist aus meiner Sicht artgerecht ohne den natürlichen Bewegungsdrang der Pferde unnötig zu verkünsteln.

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