Mineralstoffe und Spurenelemente

Ich gebe es zu, ich bin süchtig nach Blutbildern… Von Assan natürlich 😉

Als ich ihn gekauft habe, war er in schlechtem Zustand, abgemagert, stumpfes Fell, körperlich und seelisch neben der Spur. Auf Empfehlung eines Tierarztes, wurde ein großes Blutbild erstellt, um eventuelle Mangelerscheinungen und/oder Auffälligkeiten der Leberwerte festzustellen. Seitdem lasse ich jährlich ein großes Blutbild oder eine Mähnenanalyse durchführen und gebe entsprechend Mineralfutter dazu.

JahrAnalyseüber dem Referenzbereichunter dem Referenzbereich
2013Bluty-GT1, CK2, KaliumSelen3
2014Bluty-GT, CK, Kalium, Eosinophile4Selen, Zink
2015BlutCK, Kalium, EosinophileZink
2016MähneKupferSelen, Magnesium, Cobalt, Molybdän, Zinn
2017BlutCKSelen
2018Bluty-GT, CK, Eosinophile
2019BlutEosinophile
2020Bluty-GT, CK
2021BlutCK,
2022MähneKalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Selen, Cobalt, Molybdän, Zinn
1= Gamma-Glutamyltransferase, Hinweis auf eine Vergiftung beispielsweise durch Jakobs-Kreuzkraut, tatsächlich großen Mengen in dieser Zeit auf den Weiden, kein oder nur wenig Jakobs-Kreuzkraut auf den Weiden ab 2016, dafür Graukresse, 2= Creatin Kinase, Muskelenzym, kann durch „Muskelkater“ ausgelöst werden, 3 = es heißt immer, unsere Böden sind selenarm, über den Sinn oder Unsinn, Referenzbereiche für Selenwerte etc. werden ganze Glaubenskriege geführt, 4 = Hinweis auf einen Parasitenbefall, tatsächlich haben anschließende Kotproben einen hohen Befall mit Magen-Darm-Strongyliden ergeben

Auffällig ist, dass Assan mit den Blutbildern in punkto Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich besser weg kommt, als mit den Mähnenanalysen, welche wohl die letzten drei Monate abbilden. Leber-, Muskel- und Blutwerte werden bei dieser Methode nicht ermittelt. Nun sollte man sicher nicht in Panik verfallen, wenn einige Mineralstoffe und Spurenelemente „im Keller sind“ und man kann auch darüber streiten, wie Referenzbereiche entstehen und wie groß wirklich die Aussagekraft solcher Analysen sind. Letztlich ist aus meiner Sicht entscheidend, wie das Pferd aussieht und welchen Eindruck es macht, ob es fit ist, glänzendes Fell und gute Hufe hat.

Aber davon abgesehen, bin ich davon überzeugt, dass sich Pferde in den meisten Haltungsformen nicht mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Weide und dem Heu selbst versorgen können. Warum? Weil wir ihnen nicht die Möglichkeit geben können, sich in weitläufigen Landschaften mit unterschiedlichen Biotopen zu bewegen und unsere Weiden sowie das Heu in der Regel relativ artenarm sind.

Wenn man sich zum Beispiel unser aktuelles Heu genauer angeschaut, ist das zwar von guter Qualität, riecht gut, ist schön grün, keine Anzeichen für Schimmel und die Pferde lieben es. Es ist ja auch relativ zucker- und proteinhaltig und für unsere „Fettis“ eigentlich zu gehaltvoll, dafür dass sie 24/7 Zugang zur Weide plus Heu ad libitum haben. Wenn man sich die Beispielrechnung in der Tabelle für ein Pferd mit 500kg und dem Erhaltungsbedarf anschaut, unter Berücksichtigung, dass unsere Freizeitpferde kaum „arbeiten“ müssen, ist es kein Wunder, dass wir pumelige Wohlstandspferde haben.

Aber wenn man sich gleichzeitig die Artenzusammentzung des Heus anschaut, kommt man in unserem Beispiel auf nur fünf Arten: Gemeines Rispengras (Poa triviales), Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia, Landform), Ampfer (Rumex spec.) und Wolliges Honiggras (Holcus lanatus).

Mehr Arten konnte ich beim besten Willen nicht finden und so erklärt sich, dass man auch noch Futter in Form von Heucobs, Mash, was immer, dazugeben muss, um das Mineralfutter ins Pferd zu bekommen. Obwohl es zusätzliches Futter vom Energiebedarf her nicht braucht. Also eigentlich wie bei uns Menschen, Essen mit zu hoher Energiedichte für Bürotätigkeit mit zu wenig Bewegung 😉

Und auch unsere Weiden bestehen aus wenig Pflanzenarten wie Weidelgras (dominiert auf der Hauptweide), Glatthafer (dominiert auf der Skuddenwiese) oder Landreitgras, dafür mit „Problempflanzen“ wie Graukresse und Kanada-Goldrute und nur einer Handvoll Beikräutern wie Schafgarbe, Brennnessel, Rainfarn oder Wegwarte. Um die Veränderung der Pflanzenzusammensetzung zu dokumentieren habe ich auf einer Weide ein Vegetationstransekt angelegt.

Aber mit der Artenvielfalt auf der Weide ist es wie mit der Ausbildung des Pferdes: man braucht Geduld. Man braucht Jahre der kontinuierlichen Pflege, um artenreiche Weiden zu generieren, wobei die Stickstoffeinträge aus der Luft der größte Feind der Artenvielfalt sind. Pflanzenvielfalt und damit auch die Vielfalt bei Insekten etc. entsteht erst durch eine Aushagerung, ansonsten dominieren einige wenige konkurrenzstarke Arten wie eben die Kanada-Goldrute oder Brennnessel.

Arten- und Kräuterreiche Wiesen und Weiden mit langer Tradition wie beispielsweise Bergalmen oder Flächen in seit Jahrzehnten gepflegten Naturschutzgebieten, meist auf Sonderstandorten wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen sind heute nur noch kleine Ausschnitte einer ehemals vielfältigen Kulturlandschaft.

Aber wir brauchen diese Reliktvorkommen – untere anderem als Referenzbereiche für Artenvielfalt.

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