Insektensterben

… wo Schafe weiden und Pferde für Rennen trainiert werden; und alle spenden Manna für die jubelnden Mistkäfer. Hier sind die Straßenkehrer am Werk – Käfer, die das wichtigste Amt haben, den Erdboden rein zu halten. Man kann die Vielfalt der Werkzeuge gar nicht genug bewundern, mit denen sie den Unrat bewegen, zerkleinern, formen oder tiefe Höhlen graben, in denen sie sich samt ihrer Beute einschließen.

So liebevoll beschreibt Jean-Henri Fabre 1879 in seinem ersten Band „Erinnerungen eines Insektenforschers das Werk der Dungkäfer.

Und wie ist es heute auf einer Pferdekoppel um den wertvollen Manna bestellt? Der Umweltforscher, Agrarexperte und Leiter des Tagfalter-Monitoring Deutschland Josef Settele beschreibt Kuhfladen und Pferdeäpfel 2020 in seinem Buch „Die Triple Krise – Artensterben, Klimawandel, Pandemien“ als giftige Betonfladen:

Finden Insekten doch noch Nutztierexkremente als Unterschlupf, riskieren sie, in eine Giftfalle zu tappen. Kühen und Pferden werden oft über Kraftfutter Medikamente verabreicht, die vor Erkrankungen und Insektenbefall schützen. Aus Sicht der Landwirte und Züchter ist das nachvollziehbar…. Da die giftigen Mittel auch noch im Kot ihre Wirkung entfalten, werden Kuhfladen und Pferdeäppel für kleine Krabbeltiere nicht mehr verzehrbar. Dung- und Mistkäfer können die tierische Hinterlassenschaft nicht mehr zersetzen, sie bleibt, wie sie ist, und wird hart wie Stein. …40 Prozent der Dung- und Mistkäfer hierzulande sind ausgestorben oder zählen zu den am stärksten bedrohten Insektenarten.“

Vom Artenschwund sind fast alle Insektengruppen betroffen. Eine erste, ernsthafte breite mediale Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen mit der Studie der Krefelder Entomologen erfahren, die anhand von Fluginsekten einen Rückgang der Biomasse um bis zu 80% nachweisen konnten. Die Probeflächen befanden sich ausnahmslos in Schutzgebieten…

Die Ursachen für das Insektensterben sind sicherlich ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren. Aber die Hauptursache ist wohl die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer meist flächendeckenden, prophylaktischen Nutzung von Pestiziden (Gift ist nunmal giftig), Überdüngung, Verlust von artenreichem Grünland und einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft. Die wichtigste Stellschraube ist hier der gleichzeitig größte Fördertopf der EU – die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Sie zielte jahrzehntelang auf steigende Ernten, ohne Rücksicht auf Tierwohl oder Naturschutz ab.

Aktuell wird diese „Subventionsmaschine“ (Die Zeit; Letzte Chance) mit einem Budget von 347 Milliarden Euro für eine Förderperiode bis 2027 umgestellt. Es gab große Hoffnungen in diese GAP-Reform und dass es zukünftig mehr Geld für ökologische Dienstleistungen, Tierwohl und klimaschonende Anbauweisen gibt. Landwirte wären sicherlich bereit „Schmetterlinge zu produzieren“, wenn sie dafür entsprechend bezahlt werden. Hier eine kleine Einführung zum Thema Agrarreform:

Aber zurück auf die Pferdeweide, auf der jeder Selbstversorger und jede Haltergemeinschaft selbst Einfluss nehmen kann, um Insekten wieder Lebensräume zu bieten, u.a. im Pferdehaufen. Hier ein paar Anregungen für mehr Artenvielfalt auf der Pferdeweide:

  • Verzicht auf prophylaktische Wurmkurgaben
  • Verzicht auf Düngemittel und Pestizide
  • Herstellung von Habitatmosaiken (auch mal was stehen lassen, ggf. Teilflächen auszäunen, die Nutzung räumlich und zeitlich variieren)
  • bei der Mahd oder dem Mulchen Teilflächen stehen lassen
  • Anlegen oder Belassen von „Wilden Ecken“, Totholzhaufen, Lesesteinhaufen
  • bei der Neuanlage oder Nachsaat regio-zertifziertes Saatgut verwenden, ansonsten lieber auf die Pioniervegetation setzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: